„Der Hannigburg Glück und Ende“ – Ein Heimatspiel aus dem Eulengebirge (1929)

Im Jahre 1929 wurde im schlesischen Weigelsdorf (heute Ostroszowice) das Heimatspiel „Der Hannigburg Glück und Ende“ uraufgeführt. Die Aufführung fand anlässlich der Bundestagung der Eulengebirgler auf der Freilichtbühne im Park des Schlosses Weigelsdorf statt.

Colorierte und verbesserte Fotografie (KI-Unterstützt)

Einen zeitgenössischen Beleg liefert die Schlesische Illustrierte Zeitung, Nr. 27 von 1929. Sie berichtet über die Uraufführung und zeigt zwei Fotografien: eine Ansicht des Schlossparks sowie die vier Hauptdarsteller in historischen Kostümen. Die Darstellung lässt auf ein Stück mit mittelalterlichem Schauplatz schließen.

Namensgebend war die Hannigburg bei Lampersdorf (heute Grodziszcze), deren Ruinen auf dem Burgberg im Eulengebirge liegen. Die mittelalterliche Befestigungsanlage war vermutlich im 13. Jahrhundert entstanden und im Spätmittelalter aufgegeben oder zerstört worden. Um ihre Geschichte rankten sich verschiedene Überlieferungen, darunter die nicht gesicherte Erzählung einer Zerstörung während der Hussitenkriege.

Heimatspiele gehörten seinerzeit zur Festkultur der schlesischen Gebirgsvereine. Bereits 1924 war anlässlich des Verbandstages der Gebirgsvereine an der Eule in Oberlangenbielau das Festspiel „Eulenträume“ aufgeführt worden. Das Stück über die Hannigburg steht somit in einer regionalen Tradition, Geschichte und Heimatverbundenheit durch Theateraufführungen lebendig zu halten.

Über den Verfasser, die Handlung und mögliche weitere Aufführungen von „Der Hannigburg Glück und Ende“ ist bislang nichts Gesichertes bekannt. Auch ein Textbuch konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Insbesondere bleibt offen, ob das Stück auf älteren Sagen und Überlieferungen beruhte oder eine freie dichterische Gestaltung der mittelalterlichen Burggeschichte darstellte.

Die Zeitungsnotiz von 1929 ist damit ein bemerkenswertes Zeugnis dafür, dass die Hannigburg noch im frühen 20. Jahrhundert einen festen Platz im Geschichtsbewusstsein und in der Heimatkultur des Eulengebirges besaß.

Quellen:
Schlesische Illustrierte Zeitung, Nr. 27 (1929); Schlesische Zeitung (1924), Bericht über den 42. Verbandstag der Gebirgsvereine an der Eule; Heinz Otte, Erinnerungen an das Weigelsdorfer Wiesenschloss (1991, veröffentlicht 2013).